10.06.10

Tränen gelacht!

In den 90ern gab es in der "PC Player" die "Multimedia Leserbriefe". Und was haben wir sie geliebt, diese kleinen, monatlichen Einblicke in den Alltag einer Spieleredaktion! Lange hat es Produzent und DV-Koryphäe Toni Schwaiger in der Branche ausgehalten, drehte "Raumschiff GameStar" und transportierte letztlich das MMLB-Konzept mit "Die Redaktion" ins neue Jahrtausend.

Leider habe ich von diesem letzten Projekt nicht viel mitbekommen; zu wenig Zeit mehr für lange, verregnete Nachmittage in epischen PC-Spielewelten... Aber wer zu spät kommt, den beschenkt der Toni! Und so konnte ich es nun nachholen und dank Sammler-DVD (sogar mit Wittmung!) die ganze Redaktions-Historie in einem Rutsch genießen. Und ich habe Tränen gelacht! Gerade bei den Fantasy-Folgen von Oblivion bis Gothic 3 ("Der Kriegsherr Umbrak in Silden will deinen Tod!!") habe ich mich ja regelmäßig weg geschmissen! Ebenso bei den zahlreichen Spitzen ("Brontal 25") zum aktuellen Polit- und Medienzirkus. Herrlich! Bitte erklärt Markus Schwerdtel zum Innenminister! ...und Walter Reindl endlich zum Imperator!


25.05.10

Grüße aus dem Spam-Verteiler

Heute morgen habe ich in einer e-Mail den folgenden Text erhalten:

"In Zusammenhang mit dem Kurs des Fallens des Euro,
wir sind Ihnen erzwungen, erneuert die
Rechnungen-Bezahlungen auszustellen.
Sie sehen das befestigte Dokument."


...ich glaube, ich muss mal ein ernstes Wort mit meinem Finanzberater wechseln, Pfingst-Feiertage hin oder her!


22.05.10

"It's Coming Right At You! In 3-D!"

Kürzlich habe ich gelernt, dass das menschliche Auge mind. zwei Sekunden braucht, um ein dreidimensionales Bild aufzunehmen, zum Gehirn zu senden und dort in seiner Gänze erfassen und verarbeiten zu können. Damit sind alltägliche Eindrücke gemeint: Die Enten auf dem See, die Belegschaft beim Meeting, oder der fragende Blick in die Spülmaschine. - Der Hirsch, der des Nachts trotz wagemutigem Hüpfer nicht als Wildbret vor der Stoßstange endet, fällt hingegen unter Reflexe.

Die Erkenntnis lässt mich vorsichtig frohlocken: Als Liebhaber der großen Kino-Klassiker habe ich eine immer stärker werdende Abneigung gegen viele aktuelle "Blockbuster" entwickelt. Das nach wie vor wundervolle Genre der "Clint Eastwood-Filme" mal ausgeklammert. Nein, ich rede von den typischen Horror- und Actionfilmen des heutigen Mainstreams. Ein Höhepunkt war da sicherlich der letzte "James Bond"-Film, bei dessen Schnitt-Stakkato ich manchmal einfach nicht mehr raussehen konnte, wer jetzt gerade wen wohin haut. Die unangenehm nahe Kamera tat ihr übriges dazu.

Nun kommt Cameron mit seinen neuen Kameras und plötzlich muss (mal wieder!) alles in "Dreideh" sein. Das wirkt beim Gros der angekündigten Titel eher müßig, aber mir gefällt der Gedanke, dass damit, zumindest zu einem gewissen Teil, der Trend der immer schneller werdenden Schnitte kurzerhand ausgehebelt wird. Wer darauf achtet, wird feststellen, dass auch bei flotten 3D-Actionfilmen wie AVATAR die Szenenfolge ruhiger erscheint, als noch beim oben erwähnten 007-Abenteuer. Michael Bay dürfte jetzt Bauchweh bekommen...

Vielleicht bekommen wir dann wieder öfter die Chance, schön gestaltete und fotografierte Szenerien auf uns wirken zu lassen, eben ganz so wie in den großen, alten Hollywood-Filmen. Zumindest habe ich mir jetzt ein Argument erarbeitet, welches ich meinen Freunden präsentieren kann, wenn die wieder ob meiner Euphorie für den neuen RESIDENT EVIL-Teil mit den Augen rollen. Nein, nein ... nicht nur wegen Milla! ...der Filmschnitt, der gefällt mir! ;)


Kleiner Copyright-Hinweis am Rande: Das Bild oben stammt aus der goldigen Rudy Behlmer-Doku "The Universe according to Universal". Quelle: Gefahr aus dem Weltall (DVD).

05.05.10

Schön verpackte Nostalgie

Über dem Berg geht gerade die Sonne unter und taucht den Himmel in ein malerisches Abendrot. Ein seltsam surreales Licht umfängt mich. Leise weht der Wind über die Terrasse. Fünf Minuten Zeit für ein bisschen wehmütig dahinplätschernde Nostalgie! Anlass ist eines der aktuellen Aufreger-Themen aus der PC-Spieleindustrie und damit auch Diskussionspunkt im letzten Veteranen-Podcast. Es folgen ein paar Gedanken von yours truly. Gelebte Sekundärkommunikation so zu sagen.

Konkret geht es um die von Ubisoft in halbseidene Umweltschutz-Ambitionen gewickelte (und hoffentlich über chlorfrei gebleichte e-Mails verteilte) Aussage, dass man den neuen Produkten kein Handbuch (sprich: eine Spielanleitung) mehr beilegen wolle. Immerhin könne man durch das so eingesparte Papier ein paar Bäume retten. Und nebenbei sei die Technik inzwischen soweit fortgeschritten, dass sich die Dinger eh direkt im Spiel selbst erklären würden. Das warf die allgemeine Frage auf, ob in der heutigen Zeit überhaupt noch ein Spieler ins Handbuch schauen würde.

Nun, ich selbst schaffe es aus Zeitgründen nur noch, drei bis vier der großen Toptitel im Jahr zu spielen, von daher mag meine Meinung einen eher geringen Stellenwert für die Entwicklung des Marktes haben... Ich habe aber trotzdem eine. Es ist schon richtig: Viele Spiele sind heute selbsterklärend und verfügen über schöne, intuitive Tutorials. Handbücher-Lesen ist da im Grunde hinfällig geworden. Ich brauche auch nicht mehr im übernächsten DOOM über Seiten hinweg erklärt bekommen, dass ich mit der linken Maustaste auf die Monster schieße! Und die Epilepsie-Warnung dürfen sie meinetwegen neben den USK-Flatschen auf's Artwork stickern!

Aber: Mit diesem Trend stirbt auch ein weiteres Stück des Zaubers, der das ganze Hobby der "Computerspielerei" in den frühen 90ern noch umgab. Zuletzt war dies der Fall, als die Industrie die Packungen von dicken Kartonschachteln zu den üblichen DVD-Cases um-normte. Und Jörg würde mir wohl beipflichten: Was war damals allein das Auspacken (!) der alten ULTIMAs noch schön! Was sich da alles in der Schachtel fand... Auf Leinen gedruckte Landkarten, Mondsteine, Tugend-Karten, Reisenotizen von Lord British, usw. Dafür hat man gerne 120 D-Mark auf den Tisch gelegt und war dann auch ein paar Monate lang beschäftigt. STONEKEEP (na, wer kennt es noch?) lag sogar ein kleiner, eigens verfasster Roman bei. Ja, ganz recht: Damals haben auch die Computer-Freaks noch gelesen! Und nicht nur die jeweils aktuelle "PC Player"... Das war Spielerlebnis über den Bildschirm hinaus. Und ganz ohne Internet.

Mir ist klar, dass der Markt inzwischen ein ganz anderer ist. Bis die Kids heute den ersten Absatz im Handbuch bewältigt haben, sind schon wieder drei neue Mini-Games im Appstore erschienen. Mir persönlich kann's ja auch egal sein, so lange die drei, für mich interessanten Titel noch parallel in einer dicken Sammler-Edition erscheinen (Stichwort: Die strahlengeschützte FALLOUT-3-Lunchbox!). Nur, liebe Ubi-Softler: Dann nennt den Hammel doch auch beim Namen!

Ach ja...und viel Spaß mit den neuen Kopierschutz-Mechanismen! Dafür hatten wir früher auch das Handbuch... Seite 73, Zeile 5, Wort 2, hmmm *blätter* ...hmmm. Das war's jetzt aber auch mit der Nostalgie. Blicken wir alle wieder in die verstrahl... äh, strahlende Zukunft!

24.04.10

Churchill, Star-Whales and a Crack in the Wall

In bed above, we’re deep asleep,
While greater love lies further deep.
This dream must end,
This world must know:
We all depend ... on the beast below.

...hatte ich schon erwähnt, dass die neuen "Doctor Who"-Folgen mal wieder absolut hinreißend sind?!

12.04.10

Himmlisches Altherrengesöff

Ende letzten Jahres ging ein kleiner Aufschrei durch die Presse, als bekannt wurde, dass man am Südpol durch Zufall auf zwei Kisten mit 100 Jahre altem schottischen Whisky gestoßen sei. Einst hatte Sir Ernest Shackleton diese bei seiner gescheiterten "Endurance"-Expedition dort zurücklassen müssen. DIE ZEIT nahm dies zum Anlass für einen sehr schönen Artikel. Und auch ich hatte die Geschichte kurz vor Weihnachten mit einem Funkeln in den Augen hier und da mal herum erzählt. Aber statt mit einem hübschen Präsentkorb vom Pol wurde der elegante Wink nur mit halbseidenen Entschuldigungen quittiert: Die Schneeschuhe trugen das Gewicht nicht, beim U-Boot sind die Scheiben zugefroren, der Generalgouverneur hat auf uns geschossen, usw.

Jetzt gibt es eine neue Chance: Gordon & MacPhail (G&M) haben einen sage und schreibe 70 Jahre alten Mortlach aus einem Sherry-Hogshead abgefüllt! Der 1938 destillierte und in Eichenfässer eingelagerte Single Malt gilt heute als eine unschätzbare Rarität. Entstanden in einer ganz anderen Zeit der Whisky-Herstellung, als zudem Blends wesentlich gefragter waren als Single Malts, ist er heute der älteste Single Malt Scotch, der bis dato abgefüllt wurde! Die beiden Enkel von G&M bezeichnen sein Aroma schlichtweg als divine. Da ich in erster Linie ein Liebhaber der rauchig-torfigen Islay-Malts bin, habe ich noch relativ wenig Erfahrung mit den blumig-vollen Noten der Speyside Whiskies ...aber ein solcher Tropfen wäre allemal einen Blick über den Tellerrand wert!

Eine 0,7-Liter Ausgabe vom Mortlach kostet, inklusive der speziell designten Flasche in Tropfenform, sowie einem Hardcover-Buch mit der Geschichte von G&M, angenehme 10.000 Pfund. Das oben abgebildete Foto stammt übrigens aus dem urig-rustikalen Whisky Shop in der High Street in Edinburgh. Wer also noch ein stilvolles Präsent für den nächsten Grill-Abend sucht ...

01.04.10

Wir brauchen einen Doktor!

Doctor Who ist wieder da! Und ganz Großbritannien hält den Atem an: Kommenden Samstag startet um 18:20 Uhr auf BBC1 die erste Folge der fünften Staffel. Matt Smith spielt den Doktor in seiner inzwischen elften Inkarnation. Derzeit läuft noch eine groß angelegte Straßenkampagne, die aktuell auch Edinburgh erreicht hat. Kein Wunder: Des Doktors neue Begleiterin stammt immerhin aus Inverness. Auf einem Großbildschirm werden bis zum 3ten April am Festival Square (Lothian Rd.) exklusive Szenen gezeigt, der 3D-Trailer läuft sogar in den Kinos und Daleks rumpeln in Originalgröße durch die Straßen und erschrecken Kinder. Stadtrat Steve Cardownie bezeichnet die Aktion im Edinburgh Evening News als "großen Spaß für die ganze Familie".

Dabei finde ich interessant, wie sehr das Phänomen "Doctor Who" in der Populärkultur verwurzelt ist. Die Art, wie darüber in den letzten Wochen in der Tagespresse berichtet wurde, lässt jeden Medienstudenten mit der Zunge schnalzen: Da wurde ebenso seriös über die Tardis geschrieben, wie über einen Kommentar von Gordon Brown, mit Selbstverständlichkeit ist von Daleks und Cybermen die Rede, etc. Wohl gemerkt, ich rede von den ganz normalen Tageszeitungen!

Schade, dass es so etwas nicht in Deutschland gibt. Bei uns müssen selbst im Alltag etablierte Begriffe wie "beamen" in Gänsefüßchen gesetzt und im Anschluss brav erklärt werden. Welche (fiktionale!) Fernsehserie fällt Ihnen ein, die hierzulande einen ähnlich großen Einfluss hat? Na?! Lediglich die Wuschelmonster aus der Sesamstraße oder Ermittlerzombie Derrick haben etwas Vergleichbares geschafft. Na gut: 2003 versuchte man, das selige Raumschiff Orion mit einem ungelenken Zusammenschnitt fürs Kino neu zu beleben – soff aber kläglich damit ab...

Mag sein, dass es ganz einfach ein kultureller Unterschied zwischen UK und Deutschland ist. Ich wundere mich nur, warum es ausgerechnet immer die innovativen, qualitativ hochwertigen Serien sind, die in Germany so rigoros abgewürgt oder bewusst falsch vermarktet werden (Stichwort: FarScape). Und ausgerechnet Doctor Who ist hierzulande fast völlig unbekannt! Die neue Serie, obgleich mit höchst wohlwollenden Kritiken bedacht, erschien dem Sender als "zu britisch" – und wurde bereits nach der zweiten Staffel wegen schwacher Quoten gekickt. Auf den Sendeplatz legte man die x-te Wiederholung alter Simpsons-Folgen. Na Hauptsache, wir haben immer genügend neue Kochshows und Dokusoaps aus der "Infotainment"-Hölle! Man möchte losrollen und „Exterminate! Exterminate!!“ schreien!